www.pacekeepinge.de

"Peace keeping" und "Peace making" -
angemessene Unterscheidungen
wichtiger Instrumente im
UN-System der kollektiven Sicherheit ?

Frieden wird praktisch ausnahmslos von allen Staaten und Institutionen der globalen Völkergemeinschaft als primäres Ziel ihrer internationalen Politik und Diplomatie definiert. Die Erhaltung des Weltfriedens gilt als höchstes Gut, dem die Menschheit als Ganzes entgegenstreben kann. Gleichzeitig gibt es kaum ein Thema, dass weltweit ebenso engagiert wie kontrovers diskutiertes wird, wie der richtigeWeg zu diesem Ideal. Es steht auch im Kern der hier veröffentlichten Ausführungen.

Diese Internetpräsens basiert auf einer wissenschaftlichen Arbeit, die 1995 als Diplomarbeit im Fach politische Wissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen, Zentrum für Europa- und Nordamerika-Studien (ZENS) der sozialwissenschaftlichen Fakultät, verfasst wurde. Sie versucht, die verschwommene Grenze zu markieren, zwischen den häufig synonym verwendeten Begriffen des "Peace keeping" und "Peace Making" – hinter denen zumindest in der wörtlichen Übersetzung doch so elementar gegensätzliche Sachverhalte wie die "Fiedenserhaltung" und die "Friedensschaffung" stehen und damit letztendlich die An- oder Abwesenheit von Krieg. Vielleicht kann sie dadurch sogar dazu beitragen, den Frieden im Sinne einer globalen Zielvorstellung als solche zu definieren und auf diesem Wege zu unterscheiden helfen, welche Maßnahmen der internationalen Politik tatsächlich als "friedlich" anzusehen sind.

Im Mittelpunkt steht das UN-System der kollektiven Sicherheit, mit dem die Völkergemeinschaft erstmals ernsthaft den Frieden zum gemeinsamen Leitbild der zwischenstaatlichen Beziehungen erhoben, die Anwendung von Gewalt in den zwischenstaatlichen Beziehungen kategorisch ausgeschlossen und Sanktionsmechanismen für entsprechende Verstöße installiert hat. Die Ausarbeitung verfolgt in der Analyse der beiden zentralen Begriffe "Peace keeping" und "Peace makting" sowohl politikwissenschaftliche wie völkerrechtliche Ansätze, die sie quasi in zwei große Teile aufteilt. Während im ersten Teil die völkerrechtliche Systematik des UN-Systems der kollektiven Sicherheit und die Möglichkeiten einer rechtlichen Einordnung der Begriffe sowie entsprechender Instrumente analysiert werden, geht es im zweiten Teil um die Analyse der Verwendung dieser Begriffe in der Politikwissenschaft: Was wird mit ihnen umschrieben? Wie werden sie differenziert? Wo liegen etwaige Unterschiede zur völkerrechtlichen Einordnung?

In einem abschließenden Dritten Teil wird versucht, die bis dahin erarbeiteten Erkenntnisse im Hinblick auf die Instrumente des "Peace keeping" und "Peace making" auf die bis 1995 durchgeführten Militäraktionen der Vereinten Nationen zu übertragen: Welche Militäraktionen sind eher dem einen oder eher dem anderen Begriff zuzuordnen? Gibt es Grenzfälle und wie sind diese zu bewerten? Wie gestaltet sich die Praxis des UN-Systems der kollektiven Sicherheit im Vergleich zu seiner völkerrechtlichen und politikwissenschaftlichen Bewertung? Die Kurzanalyse der verschiedenen Militäraktionen der Vereinten Nationen auf dem gesamten Globus – bei der vor allem das jeweilige Mandat im Vordergrund steht – kann allerdings auch sicher für anderweitige Betrachtungen des Systems der Kollektiven Sicherheit interessant und hilfreich sein.

Ebenso soll der Rahmen für tiefergehendere Fragen bereitet werden: Wird die tägliche Praxis den hehren Zielen der UN gerecht oder gibt es Abstriche aufgrund politischer Sachzwänge oder sind vielleicht sogar Weiterentwicklungen zu beobachten, in denen die Praxis den engen normativen Schranken des UN-Systems der kollektiven Sicherheit längst entrückt ist? Was haben heutige Militäraktionen überhaupt noch mit dem ursprünglich konstruierten System zu tun? Oder auch weniger philosophisch: Sind bestimmte Militäraktionen im Namen, aber gegebenenfalls weit entfernt von den normativen Grundlagen des UN-Systems überhaupt völkerrechtskonform? Viele weitere Fragen, Anstöße und Anregungen lassen sich (hoffentlich) finden. Zumal diese Internetpräsens auch als Diskussionsbeitrag zu verstehen ist.

Die Veröffentlichung im Internet soll gewissermaßen die seit vielen Jahren geplante – trotz entsprechender Angebote aber leider nie realisierte – Publikation in Buchform ersetzen oder ihr zumindest zuvorkommen, bevor zu viele Aktualitätsbezüge verloren gehen. Ich hoffe, sie findet interessierte Nutzer und freue mich auf entsprechendes Feedback.

Sven-Mulon Rutter
Hamburg, im Frühjahr 2003

 

P.S.: Während die Ausarbeitung selbst eindeutig einen wissenschaftlichen Ansatz verfolgt, der platte Meinungsäußerungen verbietet, sei es dem Autor angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage zumindest hier auf der Startseite erlaubt, noch kurz, aber eingehend eine persönliche Grundauffassung loszuwerden, die sich auch auf die intensive Befassung mit der Materie gründet:

"Frieden ist niemals mit Gewalt zu erhalten – deren Abwesenheit eine Voraussetzung für seine Schaffung ist. Der verabscheuungswürdigste Missbrauch des Friedensbegriffes muss daher für jeden Fridensforscher sein, wenn er als Begründung für einen Krieg herangezogen wird."

Gewidmed
meinen
Eltern
und
Freunden

Start

Copyright: Sven-Mulon Rutter, Hamburg 2003
(alle Rechte vorbehalten, Veröffentlichungen und Vervielfältigungen - auch auszugsweise - nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors, Quellenhinweis und Beleg erbeten)

(Sollten durch diese Form der Darstellung der wiedergegebenen Zitate, Bilder, Applets, Klänge oder sonstigen
Elemente Urheberrechte berührt werden, bittet Betreiber dieser Seiten um entsprechende Mitteilung.)
(Der Betreiber dieser Seiten distanziert sich ausdruecklich von den Inhalten gelinkter Seiten,
Gästebuch- und Forumseinträge geben nicht unbedingt die Meinung des Betreibers wieder.)